Wir unterstützen geflüchtete Jugendliche in Marseille. Im Verein Marhaban helfen französische Jugendliche aus der Kirchgemeinde bei ihrer Integration, Ausbildung und Freizeitgestaltung.
Mit rund 1,6 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ist Marseille die zweitgrösste Stadt Frankreichs. Marseille ist wohl die gefährlichste Stadt Europas und gleichzeitig europäische Migrationsmetropole. Hier stranden minderjährige Jugendliche aus westafrikanischen Ländern meist ohne Eltern nach einer traumatischen Flucht.
Für Kinder und Jugendliche im Innenstadt-Quartier MarseilleGrignan gibt es kaum Angebote und Infrastruktur. Das Drogenmilieu ist für Jugendliche ohne Perspektive eine gefährliche Versuchung. Im Bandenkrieg sterben immer häufiger junge Menschen. Viele der Geflüchteten sind muslimischen Glaubens. Es sind aber auch immer wieder Christinnen und Christen dabei, die in ihren Heimatländern kirchlich engagiert waren. Gerade für sie ist es wichtig, auch kirchlich wieder ein Zuhause zu finden.
«Ich bin 16 Jahre alt und komme aus Guinea. Ich schlafe seit einer Woche mit anderen minderjährigen Jugendlichen in einem Zelt vor dem Lycée Thiers und warte auf eine Aufnahme durch das Département 13. Ich würde gerne zur Schule gehen, aber es gibt noch keinen Platz und ich muss einen Einstufungstest machen. Wo kann ich anfangen, Französisch zu lernen, und aufhören, mich zu langweilen? Ich habe auch Albträume. Die Reise hierher war hart und ich weiss nicht, ob ich meine Mutter jemals wiedersehen kann. Mit wem könnte ich darüber sprechen, damit ich nicht traurig bin?»
Diese Situation motivierte die evangelische Kirchgemeinde, sich stärker für Jugendliche zu engagieren. Sie kann dies leider nicht als Kirche tun. Seit 1905 verbietet nämlich der französische Staat den Kirchen jegliche sozialdiakonische Hilfe und Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Aus diesem Grund arbeitet die reformierte Kirche in Marseille-Grignan mit dem protestantischen Diakonieverein Marhaban zusammen.
Der Verein Marhaban möchte den Jugendlichen durch Alphabetisierungskurse, Tutorate und Nachhilfeunterricht Anschluss an die staatliche Schulbildung ermöglichen, ihnen das Rechtssystem erklären und sie auf ihre Pflichten aufmerksam machen. Durch Ausflüge, spielerische Aktivitäten, Diskussionen, Bibelclub usw. wird den Jugendlichen auch Kultur vermittelt. Sie lernen ihre Freizeit aktiv zu gestalten und Beziehungen zu pflegen. Der Jahreshöhepunkt ist das vielfältige Sommerprogramm, in dem sich auch Jugendliche aus der Kirchgemeinde engagieren.
Sowohl der Verein Marhaban als auch die lokale Kirchgemeinde möchten die französischen Jugendlichen verstärkt in das Projekt einbeziehen. Die Kirchgemeinde begleitet die Leitenden und die freiwilligen Mitarbeitenden bei Marhaban durch Seelsorge, Supervisionsgruppen, Bibelstudium und Gebet. Sie wollen diejenigen, die diese jungen Menschen aufnehmen, in ihren alltäglichen Herausforderungen unterstützen.
«Ich verbrachte meinen Studienurlaub in einer reformierten Kirchgemeinde in Marseille-Grignan. Nach dem Zusammensturz einiger Gebäude im Quartier Noailles leistete die Kirchgemeinde Nothilfe und wurde sich neu bewusst, dass das evangelische Zeugnis in der Gesellschaft auch eine diakonische Komponente hat. Daraus entwickelte sich ein Projekt, das auch von der Protestantischen Solidarität Schaffhausen und meiner Kirchgemeinde in Thayngen unterstützt wird.»


